Region Werdenberg, Die Region Werdenberg umfasst die st. gallischen Gemeinden Wartau, Sevelen, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald. Die Zusammenarbeit in den Bereichen Verkehr, Wirtschaft, Regionalentwicklung, Jugend, Soziale Dienste, Bildung, Abfall- und Deponie etc. erfolgt in der Regionalplanungsgruppe Werdenberg bzw. im Rahmen des Region Plus Projektes Persönlichkeit Werdenberg
 

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Der Winzer









«Mit Zuversicht neue Wege suchen»

Er ist kein Mann der grossen Worte, der Oberschaner Hansjakob Gabathuler. Dabei hat der Landwirt, Winzer, Schnapsbrenner, Turner und Alphornbläser schon einiges auf die Beine gestellt. Jüngster Coup ist der Anerkennungspreis der Ferienregion Heidiland für die innovative Idee, während der Wintersaison auf dem eigenen Betrieb einen Treberwurstschmaus anzubieten. Hier zeigt sich die Stärke des zurückhaltenden Menschen: Er ist ein Mann der Tat und sucht mit Zuversicht neue Wege.

Auf die Frage, ob er sich für ein «People»-Interview zur Verfügung stellen würde, folgt zuerst eine lange Pause. Hansjakob Gabathuler wägt offenbar das Für und Wider ab, denkt nach und sagt dann zu. So führt mich der Weg nach Oberschan, jenem Dorf in der Gemeinde Wartau, das einen ganz eigenen Charme hat. Hoch über dem Tal auf einer Terrasse gelegen, vereint Oberschan das, was von aussen gesehen als intakte Dorfgemeinschaft wirkt. Die Leute stellen einiges gemeinsam auf die Beine, pflegen mit Stolz ihre alten und neueren Häuser und engagieren sich auch in verschiedenen Dorfvereinen.
Am Dorfrand, dort, wo ein Weg zum Spazierengehen lockt, wohnt Hansjakob Gabathuler mit seiner Familie. Der Betrieb, es ist eine Landwirtschaft mit 60 bis 70 Stück Vieh, dazu 36 Aaren Rebfläche und eine eigene Brennerei, wird gemeinsam mit Sohn Markus, der Meisterlandwirt ist, bewirtschaftet. «Seit sich Markus vorwiegend um den Landwirtschaftsbetrieb kümmert, bleibt mir mehr Zeit, um mich der Brennerei zu widmen», ist zu erfahren.
Wir sitzen im gemütlich eingerichteten Raum neben der Brennerei, dort, wo auch das Treberwurstessen angeboten wird. Für die Umsetzung dieser Idee erhielt der Landwirt aus Oberschan im November einen Anerkennungspreis der Ferienregion Heidiland. Was die Familie Gabathuler anbietet, entspricht den Vorstellungen der Ferienregion. Es werden Produkte aus dem eigenen Betrieb zusammen mit den Würsten des Metzgers Fritz Frischknecht aus Trübbach auf ganz besondere Art zubereitet und den Gästen serviert.
Die Frage, was ein solcher Anerkennungspreis bedeute, wird bescheiden beantwortet: «Es ist ein Zeichen, dass auch andere unsere Arbeit respektieren und wir auf dem richtigen Weg sind.» Ein wenig stolz ist die Familie schon auf die Urkunde, auch wenn die Auszeichnung eher unerwartet kam. «Hinter der ganzen Idee mit dem Treberwurstessen steht Mario Vicelli als Antriebsmotor. Er hat uns von Anfang an begleitet und auch immer wieder Mut gemacht.»
Obwohl in der Brennerei die verschiedensten Edelbrände entstehen, hat sich Hansjakob Gabathuler bis jetzt nie um irgendwelche Wettbewerbe, Diplome oder Auszeichnungen gekümmert. «Unser Betrieb ist zu klein, ich stelle nur kleine Mengen her und verarbeite vor allem das, was auf dem eigenen Boden wächst.»

Wie eigene Kinder
Angesprochen auf die verschieden farbigen Erzeugnisse aus der Brennerei ist zu hören: «Ich habe Freude an verschiedenen Farben und versuche, bei den Edelbränden die Aromen und Farben der Früchte herauszuarbeiten.» Und wenn das Resultat dann in den dekorativen Flaschen zum Verkauf bereitsteht, trennt sich der Schnapsbrenner nur ungern von seinen Erzeugnissen. «Die verschiedenen Schnäpse sind wie meine Kinder. Ich sehe es nicht so gerne, wenn sie das Haus verlassen.» Sagts und blickt mich fast entschuldigend an.
Tatsache ist, der Mann arbeitet in einer Brennerei der alten Art. Er muss nicht nur den Ofen ganz genau kennen, um die richtige Temperatur zu erhalten, ein guter Edelbrand verlangt auch eine sehr sorgfältige Arbeitsweise. Da können zwei bis drei Tage vergehen, ehe er mit dem Resultat zufrieden ist. Nicht ganz zufrieden ist die Familie mit der Tatsache, dass Hansjakob Gabathuler bisher kein einziges Rezept aufgeschrieben hat. «Ich habe alles hier gespeichert», meint er mit einem schelmischen Lächeln und tippt sich an die Stirn. Dass er sehr viel Fachliteratur wälzt, Kurse bei der Alkoholverwaltung besucht und immer wieder Neues ausprobiert, ist nur nach hartnäckigem Nachfragen zu erfahren.
Mein Gesprächspartner ist kein Mann, der das Herz auf der Zunge trägt, jedenfalls nicht gegenüber jemandem, den er das erste Mal sieht und dann noch weiss, dass seine Aussagen für einen Zeitungsartikel verwendet werden. Immer wieder wägt er ab und denkt nach, bevor er sich äussert.
Bei der Frage nach der Bedeutung der Familie, da leuchten die Augen: «Wir haben vier Kinder, zwei Söhne, Markus und Hansjörg, und zwei Töchter, Susanne und Sandra. Sie alle helfen viel auf dem Betrieb mit. Vor allem wenn es Gäste zu bewirten gilt, können wir auf unsere Kinder und deren Freunde zählen. Auch seine Frau Madeleine, welche uns einen frisch zubereiteten Tee serviert, wird mit einem liebevollen Blick bedacht. «Einen eigenen Betrieb führen und die Familie zusammenhalten, das ist eine Lebenshaltung und nicht nur eine Arbeit.» Sagts, steht auf und holt zwei Gläser mit seinen jüngsten Bränden. Dass ich mich aufs Riechen und Begutachten beschränke und der Versuchung, die köstlichen Edelbrände zu degustieren, widerstehe, wird akzeptiert. Denn schliesslich weiss auch Hansjakob Gabathuler, dass sich Alkoholgenuss und Autofahren überhaupt nicht verträgt.

Familie im Zentrum
Dass die Familie wichtig ist, wird auch bezogen auf den neben der Brennerei geschaffenen Raum deutlich. «Wir wollten einen Platz haben, an dem wir alle zusammen sein können, und das ist bei vier Kindern mit Anhang nicht so einfach.» Nachdem aus dem ehemaligen Stall ein so ansprechender Präsentations- und Aufenthaltsraum geschaffen wurde, intessierten sich andere Dorfbewohner für die Nutzung des Raumes. «So sind neue Ideen entstanden und wir konnten das realisieren, was von einem Landwirt erwartet wird. Wir sind Unternehmer, fördern die ökologische Produktion und vermarkten einen Teil der Produkte direkt ab Hof.»

Beim Turnen kennen gelernt
Ehefrau Madeleine stammt aus dem Toggenburg, sie kam 1969 als Kindergärtnerin in die Gemeinde. Kennen gelernt haben sich die beiden beim Turnen. «Hansjakob war ein hervorragender Turner, ein toller Zehnkämpfer und hat auch den Turnverein geleitet», erzählt seine Frau. Dass sie schon 1972 geheiratet haben, hatte ganz praktische Gründe. «Wir wollten zusammenbleiben und ein Konkubinat, das kam damals überhaupt nicht in Frage.» Und mit einem strahlenden Blick auf ihren Mann meint Madeleine Gabathuler: «Eigentlich wollte ich damals nicht unbedingt einen Landwirt heiraten. Aber ich hatte ihn lieb gewonnen und dann war sein Beruf für mich kein Thema mehr.»
Inzwischen fliesst die Kommunikation lockerer. Hansjakob Gabathuler gibt etwas von seinen Werten preis und meint: «Einerseits ist es nicht einfach, in der heutigen Zeit Bauer zu sein, andererseits bietet gerade diese Zeit die Chance, um mit Zuversicht neue Wege zu suchen.» Ach ja, so ganz am Rande erfahre ich noch, dass er schon 14-mal den Engadiner Skimarathon bestritten hat und dort Ränge zwischen 400 und 1'600 erreichte und dass eines seiner ganz grossen Hobbys das Alphornspielen zusammen mit seinem Freund Jakob Müller ist.

Bild und Text:   LIEWO (21. Dezember 2003)


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