Region Werdenberg, Die Region Werdenberg umfasst die st. gallischen Gemeinden Wartau, Sevelen, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald. Die Zusammenarbeit in den Bereichen Verkehr, Wirtschaft, Regionalentwicklung, Jugend, Soziale Dienste, Bildung, Abfall- und Deponie etc. erfolgt in der Regionalplanungsgruppe Werdenberg bzw. im Rahmen des Region Plus Projektes Persönlichkeit Werdenberg
 

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Der Schlossverwalter

«Kunst und Kultur haben einen hohen Stellenwert»

Traumaussicht inbegriffen - dies könnte durchaus im Stellenbeschrieb des Werdenberger Schlossverwalters stehen. Wer als Besucher durch die historischen Räume geht, geniesst immer wieder den Blick auf die Dächer am Fusse des Schlosshügels. Ab und zu kann auch Karl Blaas einen Blick nach draussen werfen, vor allem wenn es gilt, die zahlreichen Fenster zu reinigen. Doch eigentlich sind die Tage mit der Betreuung der Besucher/-innen, dem Instandhalten der Räume, den Reinigungsarbeiten und der Organisation und Durchführung von Anlässen ausgefüllt. Und wenn der Werdenberger die Freizeit zusammen mit seiner Lebenspartnerin geniesst, dann stehen Besuche von Kleintheatern, Konzerten, Ausstellungen und was es im kulturellen Bereich noch so alles zu geniessen gibt, auf dem Programm.

Auf dem Weg zum Schloss Werdenberg ist von der Strasse her ein ständiger Geräuschpegel zu hören. Doch kaum innerhalb der dicken Mauern angekommen, ist es ruhig. An diesem kühlen Frühlingstag zwitschern die Vögel in den Bäumen und Sträuchern um die Wette, die ersten Blumen recken ihre farbenfrohen Köpfe in die noch nicht so richtig warme Luft, und die Sonnenuhr zeigt keine Zeit an, denn sie zählt nur die heiteren Stunden.
Im Schlossinnern wird fleissig gearbeitet, das kühle Wetter lockt Besucher/-innen an und Karl Blaas kassiert die Eintrittspreise, gibt Erklärungen ab und nimmt sich dazwischen Zeit für ein Gespräch. Die Frage, wie er ausgerechnet zu dieser Aufgabe gekommen sei, führt zurück in die Kinderjahre. «Ich bin im Städtli aufgewachsen und habe dadurch schon früh eine gute Beziehung zum Schloss und der ganzen Umgebung aufbauen können.»

Ein wahres Kinderparadies
An die Kinderjahre hat der 1945 Geborene gute Erinnerungen. «Das Städtli war damals so etwas wie das Armenhaus der Gemeinde Grabs. Wir lebten unter einfachsten Bedingungen, doch für uns Kinder war es das Paradies. Die ganze Umgebung, das Seeufer, der nahe Wald, die Gassen, die mittelalterlichen Häuser mit dem Schloss obendran waren unsere Spielplätze. Zudem konnte ich bis zur 6. Klasse die Schule im Städtli besuchen.»
Auch die letzte Schlossbesitzerin, Frieda Hilti, habe er noch persönlich gekannt. «Meine Eltern haben oft im Schloss geholfen, die Mutter bei den Reinigungsarbeiten, der Vater übernahm handwerkliche Aufgaben.» Er sei in einem sehr einfachen Elternhaus aufgewachsen, doch schon als Knabe habe er gewusst: «Ich werde Ingenieur, wie mein Götti.» Und dieses Ziel hat der heutige Schlossverwalter auch erreicht. Die Ausbildung konnte er bei der Sulzer in Winterthur machen, dann folgten berufliche Stationen in verschiedenen namhaften Unternehmungen in der Region.

Schlosswart gesucht
«Eines Tages sah ich ein kleines Inserat, . Ich habe mich beworben und wurde eingestellt.» Auf die Frage, ob dies nicht eine riesige Umstellung gewesen sei, vorher die Aufgaben als Ingenieur und damit verbunden ein gutes Einkommen, nachher die Arbeit als Schlosswart mit Organisations- und Reinigungsarbeiten und einem wesentlich tieferen Gehalt, kommt die entwaffnende Antwort: «Sicher, es war eine völlig neue Aufgabe, aber der Dauerstress war wie weggeblasen, auch wenn ich hier im Schloss oft lange Arbeitstage habe. Und was das Einkommen betrifft, es hat auch nach dem Berufswechsel immer gereicht. Alle Kinder konnten eine gute Ausbildung machen, wir mussten einfach die Prioritäten anders setzen.» Auf den Punkt gebracht bedeutete der Wechsel im Jahr 1993: «Weniger Geld, dafür mehr Lebensqualität.»

Winterschlaf inbegriffen
Die unvermeidliche Frage, was ein Schlossverwalter im Winter mache, bleibt nicht aus. «Winterschlaf natürlich», so die von einem Lachen begleitete Antwort. Tatsache ist, Karl Blaas arbeitet während sieben Monaten sechs Tage pro Woche, hat oft lange Arbeitstage, weil das Schloss nicht nur während den Museums-Öffnungszeiten, sondern auch während den verschiedenen Anlässen zu betreuen ist, und macht so zahlreiche Überstunden. Nach der Grossreinigung kann er im Winter kürzer treten. Er macht zirka zweimal pro Woche einen Kontrollgang und erledigt die Büro-, Unterhalts- und Umgebungsarbeiten.
Während den Wintermonaten bleibt auch Zeit, um das zu tun, was er und seine Lebenspartnerin in vollen Zügen geniessen: Kultur konsumieren. Ob im Kleintheater Diogenes in Altstätten, im Theater Dimitri im Tessin oder im Fabriggli, Karl Blaas und Heidi Gantenbein sind dort anzutreffen, wo gute Kultur geboten wird.
Wer schon bald 60 wird, blickt auch auf frühere Aktivitäten. «Früher bin ich viel gereist und habe zahlreiche Ski- und Bergtouren gemacht. Heute nehme ich es weniger hektisch. Regelmässige Besuche im Tessin sind inzwischen eher gefragt.»

Während Karl Blaas mit Begeisterung von seiner Aufgabe im Schloss erzählt, kommen neue Besucher. Sie erkundigen sich über verschiedene Ausstellungsstücke und hören interessiert den Ausführungen des Schlossverwalters zu. Dies lässt die Frage, ob er auch Führungen mache, folgen. «Die Schloss- und Städtliführungen werden vom Tourismusbüro organisiert.» Er sei aber sehr stark an der Geschichte interessiert und gebe den Besucher/-innen gerne Auskunft. Besonders gefordert ist der Schlossverwalter, wenn alle drei Jahre die Schlossfestspiele durchgeführt werden. Doch auch in den festspielfreien Jahren gibt es einiges zu tun, stehen doch pro Saison rund 50 Anlässe auf dem Programm. Von Klassenzusammenkünften über Ziviltrauungen bis zum Hochzeitsapero, von Firmentagungen bis zu Bankanlässen, Konzerten und Liederabenden gilt es einiges zu organisieren.

Knochenarbeit
«Wir haben keine separaten Räume für Anlässe. Alle Tische und Stühle werden jeweils aufgestellt und müssen für den Museumsbetrieb anschliessend wieder entfernt und die Räume gereinigt werden, da gilt es Schwerstarbeit zu leisten.» Eine Arbeit, die der Schlossverwalter aber gerne macht, denn er weiss es zu schätzen, wenn die alten Mauern mit Leben gefüllt werden. Es gibt auch die schönen Seiten der Tätigkeit, die Begegnung mit tausenden von Besuchern aus dem In- und Ausland. Immer wieder sind auch ahnenforschende Amerikaner/-innen, denen der Schlossverwalter soweit möglich gerne weiterhilft, anzutreffen. Ob er dabei seine Beziehungen spielen lässt, auf technische Suchmittel verweist, alte Akten, Historiker oder Archive empfiehlt - meist finden die nach ihren Vorfahren Forschenden die passende Anlaufstelle.

Und während wir in der Ritterstube sitzen und über die Aufgaben des Schlossverwalters und seine Interessen sprechen, möchten die Kinder einer Besucherfamilie wissen, wo denn das Plumpsklo der Schlossbewohner war. Geduldig erklärt Karl Blaas den Kindern, wo sie dieses finden und wie das Ganze funktioniert hat.
Traumaussicht und Winterschlaf inbegriffen - auf den ersten Blick sicher, doch nach zwei Stunden Gespräch weiss ich, es steckt harte Knochenarbeit hinter der Aufgabe des Werdenberger Schlossverwalters.

von Adi Lippuner, LieWo, 18. April 2004


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