
«Der Faszination der Himmelsgestirne erlegen»
Mit Knipsen hat das Hobby von Walter Roggensinger nichts zu tun. Seine Aufnahmen, unter anderen auch Lichterbogen von Sonne und Mond, sind nur dank präziser Beobachtung, Erfahrung und manueller Einstellung des Fotoapparats möglich.
Wie bei den meisten Hobbyfotografen üblich, hat Walter Roggensinger irgendwann begonnen, seine Umgebung in Bildern festzuhalten. Zuerst waren es seine Trainkameraden, denn als Hufschmied-Korporal hatte er im Militär einige Freiheiten und nutzte diese, um die Einsätze der Trainsoldaten mit ihren Pferden zu fotografieren. Damals noch mit einer einfachen Sucherkamera, wie er mir beim Besuch im schmucken Einfamilienhaus am Rosenweg in Grabs erklärt.
Vom Virus gepackt
Doch einfache Bilder, sei dies von militärischen Einsätzen oder von seiner sechsköpfigen Familie, reichten ihm schon bald nicht mehr. «Mich hat der Fotografiervirus gepackt.» Als erstes habe er sich eine gute Ausrüstung angeschafft. «Alles aus zweiter Hand und preisgünstig», erklärt er mit einem Lachen. Die seinerzeit erstandene Contax mit verschiedenen Festbrennweiten-Zeissobjektiven wird auch heute noch eingesetzt und liefert beste Resultate.
Seine spezielle Lichtfotografie, mit der er schon viel Erfolg verzeichnen durfte, hat mit der kugelnden Sonne oberhalb von Grabs begonnen. «Ich beobachte die Natur sehr genau und stellte fest, dass die Sonne an einem bestimmten Datum genau der Bergflanke rechts vom Studnerberg entlang untergeht.» Es blieb nicht bei der Beobachtung, erste Bilder wurden gemacht, die Technik verfeinert, der Berg vorbelichtet, um dann mit Mehrfachbelichtungen optimale Ergebnisse zu erzielen.
Der kugelnde Mond vom Studnerberg
Was mit der Sonne gelang, wurde auch mit dem Mond versucht - sein aus dem Martinsloch ob Elm in den Himmel steigender Mond hat bereits internationale Beachtung gefunden. Und was ein richtiger Autodidakt ist, der will immer mehr erreichen: Walter Roggensinger hat es sich zum Ziel gesetzt, alle Berg-löcher in der Schweiz zu fotografieren. Die interessantesten, nämlich die der Kreuzberge, hat er fast vor der Haus-türe. Im fünften Kreuzberg sind drei und im sechsten ein Loch. Ob Sonnenauf- oder Sonnenuntergang, Walter Roggensinger ist zum richtigen Zeitpunkt auf dem Posten und macht Fotos, die sonst kaum jemand realisieren kann. Und so ganz am Rande erwähnt der Naturfotograf noch, dass er seine Bilder auch gerne im Rahmen von Diavorträgen zeigt
Eine Kapelle auf der Roslenalp
Diesen Herbst war er vom Naturschauspiel auf der Roslenalp (hinter den Kreuzbergen) so begeistert, dass er auf den Steinen die Fotopunkte markierte. Dabei hatte er eine Idee, die ihm einfach nicht aus dem Kopf will. «Es wäre schön, wenn auf der idyllisch gelegenen Alp eine bescheidene Kapelle genau an dem Platz gebaut werden könnte, an dem die Sonne durch das grösste Loch der Kreuzberge scheint. Dies wäre doch eine schöne Geste und ein Dank dafür, dass so viele Bergsteiger wieder gesund von ihren Touren zurückkehren dürfen. Es wäre aber auch eine Touristenattraktion, denn nach Elm zieht es alljährlich Hunderte, wenn die Sonne durch das Martinsloch auf den Kirchturm scheint.»
Und was die restlichen Berglöcher betrifft: Das Martinsloch in Elm und die Löcher der Kreuzberge hat er schon festgehalten, das Loch am Mürtschenstock oberhalb von Mühlehorn und das Loch im Piz Ela bei Bergün sowie im Eiger oberhalb von Grindelwald stehen noch auf dem Programm. Erste Versuche wurden bereits gemacht, mit dem Resultat ist der gegenüber seiner eigenen Arbeit sehr anspruchsvolle Hobbyfotograf noch nicht ganz zufrieden.
Bild und Text: LIEWO (2. November 2003)