
«In der Heimat Kraft für «Music Star» tanken»
Die Erfolge bei «Music Star» haben die Sevelerin Carmen Fenk nicht verändert. Sie ist die gleiche sympathische Powerfrau mit der tollen Ausstrahlung geblieben. Dass sie die Pausen zwischen den anstrengenden Tagen in Zürich für etwas Erholung daheim nutzt, liegt auf der Hand. «Im Werdenberg, da kann ich neue Kraft tanken.»
Musik bedeutet Carmen Fenk sehr viel, schon als Kind hat sie gerne und viel gesungen. Wann genau die Freude am Gesang begann, das weiss sie selbst nicht so recht. «Mit dem Sprechen hat bei mir auch das Singen begonnen.» Ein Instrument lernen, das gehörte ebenfalls dazu, auch wenn es mit der Handorgel nicht ganz das war, was sie sich vorstellte. «Mein Vater hat mich zum Lernen dieses Instruments animiert. Ich war damit aber nicht glücklich, auch wenn es mir einiges gebracht hat.» Später habe sie dann Gitarre gelernt und mit Hilfe von Videoclips an ihrer Gesangstechnik gefeilt. Ein paar Gesangsstunden seien ebenfalls hilfreich gewesen. «Ich würde gerne wieder klassischen Gesangsunterricht nehmen, aber leider fehlt mir die dafür nötige Zeit.»
Ehemaliger Arbeitskollege leistete Überzeugungsarbeit
«Music Star», die Sendung, welche Talente entdecken und zukünftigen Stars eine Plattform bieten will, hat Carmen Fenk nicht besonders interessiert. Sie machte Musik mit ihrer Band «Micteam» und fühlte sich bei ihrer Arbeit als Radiojournalistin bei Radio Ri sehr wohl. Doch Chris Strauch, ein ehemaliger Arbeitskollege, liess nicht locker. «Er forderte mich mehrmals zur Anmeldung auf.» Seine Argumente: «Es nutzt nichts, du musst hinaus, du musst einem breiten Publikum zeigen, was du kannst», haben Carmen Fenk so weit überzeugt, dass sie das Anmeldeformular ausfüllte, «allerdings mit dem Gedanken, dass es wohl kaum klappen wird». Dann sei die Einladung zum ersten Casting gekommen. «Ich glaubte, dass ich dort kurz singen werde und das wars dann. Zudem waren dort lauter hübsche junge Teenis, da passte ich einfach nicht dazu.» Die Mitteilung, dass sie weiterkomme und bei der zweiten Castingrunde dabei sei, habe sie zuerst nicht glauben wollen. Als sie dann auch beim zweiten Mal in Zürich die grüne Karte bekam, sei sie vor einem echten Problem gestanden. «Ich musste mein Umfeld, meine Familie, den Chef und meine Freunde informieren.» Nachdem diese Gespräche geführt waren, sei sie mit Freude zur nächsten Ausscheidung gegangen. «Ich hätte nie gedacht, dass ich es weiter als bis zur ersten Castingrunde schaffen werde, ich habe geglaubt, da wird nur auf Äusserlichkeiten geachtet.»
Sich selbst treu bleiben
Die sympathische Ausstrahlung, ihr Können und der klare Wille, sich selbst treu zu bleiben, haben aber offenbar nicht nur die Fachleute, sondern ein breites Publikum überzeugt. Sich selbst treu bleiben, das ist Carmen Fenk ein wichtiges Anliegen. «Ich habe aus meinem Elternhaus Werte wie ausgeprägte Ehrlichkeit, Gerechtigkeitssinn, aber auch viel Liebe mitbekommen. Und diese Werte will ich auch in meinem künftigen Leben bewahren.»
Wichtig ist für Carmen Fenk auch ihr spirituelles Leben. Auch wenn die Zeit für den Kirchenbesuch und die Treffen in der kirchlichen Gemeinschaft fehlt, «ich fühle mich von den Menschen getragen, die Gemeinschaft kommt sozusagen zu mir». Leider fehle auch die Zeit, um sich in der Jungschar der evangelisch-methodistischen Kirche zu engagieren - «etwas, das ich sehr gerne getan habe und das mir auch immer viel Kraft gegeben hat».
Während wir uns im Aufenthaltsraum von Radio Ri in Buchs über die Sendung, die Proben und die zeitintensiven Vorbereitungen unterhalten, kommen immer wieder Arbeitskollegen von Carmen, gratulieren zum tollen Auftritt vom letzten Sonntag und wünschen ihr für die nächste Runde Glück. Heute, Sonntag, wird Carmen «Dont know why» von Norah Jones singen. «Wir können zuerst eine Sparte wählen, dann stehen sechs Songs zur Auswahl, so habe ich mich für diesen Song entschieden.» Langfristige Pläne und das Was-wäre-wenn lässt Carmen offen. «Ich stelle mich von einem Auftritt auf den nächsten ein. Mein jeweiliges Wochenziel ist es, während den zwei Minuten, die ich auf der Bühne stehe, alles zu geben.»
Da ist noch etwas, was Carmen Fenk loswerden will: «Wir haben bei der Vorbereitung der Sendung nicht den immer wieder kolportierten Knatsch. Wir verstehen uns sehr gut, auch wenn wir Konkurrenten sind. Die ganze
-Truppe hat es lustig zusammen und wir helfen uns auch gegenseitig.»
Im Rheintal auftanken
Was es genau ist, das ihr in der Heimat die Kraft für den nächsten Auftritt gibt, das kann Carmen Fenk nicht so genau erklären. «Hier in meiner Heimat, da fühle ich mich stark und geborgen.» Weil sie nur einen einzigen Freitag hat, muss vieles zurückstehen, das ihr eigentlich wichtig ist. «Ich verbringe die Zeit nach Möglichkeit mit meiner Familie. Die Gespräche im Elternhaus sind mir sehr wichtig.»
Sollte es mit dem Weg ganz an die Spitze von «Music Star» nicht klappen, wird Carmen Fenk nicht in ein Loch fallen. Dank ihren realistischen Erwartungen und ihrem intakten Umfeld fühlt sie sich getragen und für alles gerüstet, was auf sie zukommt. «Ich kann bei Radio Ri weiterarbeiten, kann mich weiter mit Musik befassen, es ist alles offen.»
Bei der Frage nach ihren Kinder- und Jugendjahren in Sevelen ist zu erfahren, dass sie auch immer gerne gebastelt hat. «Der Nachbar hat eine kleine Schreinerwerkstatt, dort hielt ich mich oft auf.» Etwas mit den Händen zu schaffen und nach getaner Arbeit ein Resualtat sehen, das war auch der Grund, weshalb Carmen Fenk eine Ausbildung als Fernseh- und Radioelektrikerin gemacht hat. «Es war immer ein schönes Erlebnis, wenn ein Fernseher, der defekt in die Werkstatt kam, nach der Reperatur dem Kunden wieder ausgeliefert werden konnte.»
Und dass Carmen Fenk als Volontärin zu Radio Ri kam, das ist eine logische Folge ihrer Liebe zur Musik und ihrem technischen Verständnis. «Ich wollte dort sein, wo , und so kam ich vor zwei Jahren zu Radio Ri.»
Bild und Text: LIEWO (18. Januar 2004)